Walter Christian Steinbach, 2002

Geschichte der Kulturstiftung Leipzig

Die Kulturstiftung Leipzig ist ein Kind der friedlichen Revolution des Herbstes 1989. Am 26. Januar 1990 trafen sich 14 Künstler, Intellektuelle und Geistliche im damaligen Künstlercafé im historischen „Kaffeebaum“ in der Kleinen Fleischergasse, um eine Stiftung für Denkmalpflege und Umweltschutz zu gründen. Angesichts des ruinösen Zustandes der Leipziger Bausubstanz und der Belastung der Umwelt, die am Ende der DDR-Zeit unerträgliche Ausmaße angenommen hatte, lag der Stiftungszweck auf der Hand. Die Männer der ersten Stunde waren  Heinz-Jürgen Böhme, Gunter Böhnke, Günter Hanisch, Werner Heiduczek, Horst Hennig, Wolfgang Hocquél, Bernd-Lutz Lange, Friedrich Magirius, Kurt Masur, Wolfgang Mattheuer, Kurt Nowak, Hans-Joachim Rotzsch, Manfred Unger und Bernd Weinkauf. Professor Kurt Masur ermöglichte mit dem Erlös von Benefizkonzerten in Frankfurt am Main und in Köln die Stiftungsgründung.

Die Kulturstiftung Leipzig wurde 1991 als Nr. 1 im Stiftungsverzeichnis des Regierungspräsidiums Leipzig eingetragen. Professor Masur wurde ihr erster Präsident, Friedrich Magirius ihr erster Vorstandsvorsitzender. Bereits am 15. März 1990 hatte die Stiftung einen Antrag an den Runden Tisch der Stadt Leipzig gestellt, ihr einige Baudenkmale zur Sanierung zu überlassen. Schließlich erhielt die Stiftung die ruinöse Alte Nikolaischule zur Erbpacht übertragen. In den Jahren 1992-1994 wurde das Gebäude nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten für 13,9 Mio. DM saniert und wird seitdem als ein kulturelles Zentrum mitten in der Stadt vielfältig neu genutzt. Entscheidende Voraussetzung war  eine großzügige Spende der Stadt Frankfurt am Main in Höhe von 8,9 Mio. DM.

Der heutige Schwerpunkt der Stiftungsarbeit liegt auf dem Gebiet der Baukultur. Neben praktischen Aktivitäten wie der Errichtung der Nikolaisäule im Jahre 1999, der Wiederaufstellung der Merkurplastik am Romanushaus im Jahre 2006 oder der Realisierung der Demokratieglocke am Augustusplatz aus Anlass des 20. Jahrestages der legendären Montagsdemonstration zum 09.Oktober 2009, sind es Vorträge, Diskussionen, Publikationen, Ausstellungen und Wettbewerbe, mit denen eine lebendige Auseinandersetzung zu relevanten Fragen der Baukultur geführt wird. Eine wichtige Plattform sind dabei die Leipziger Blätter, die seit 1991 in Verantwortung der Kulturstiftung erscheinen. Daneben macht es sich die Stiftung zur Aufgabe Denkmaleigentümer zu beraten und ihnen auf unterschiedliche Art und Weise Hilfestellung zu geben. Nicht zuletzt mischt sich die Kulturstiftung auch stets streitbar in denkmalpflegerische Konflikte in der Stadt Leipzig ein.