Rückseite vor der Sanierung
Restauriertes Fachwerk im 2. OG
Restaurierte Decke von 1597
Konsolstein im Auditorium, 1597

Sanierung, Restaurierung, Modernisierung

Im Jahre 1512 wurde am Nikolaikirchhof, gegenüber der Nikolaikirche, die Nikolaischule als erste städtische Bürgerschule im Zentrum Leipzigs eröffnet.

Bis zum Jahr 1872 diente diente der im Laufe der Jahrhunderte mehrfach überformte und erweiterte Renaissancebau als Schule. Nachdem das Gymnasium in einen Neubau in der heutigen Goldschmidtstraße umgesiedelt war, beherbergte das Haus über die Zeit Lager und Geschäftsräume, Garnisonsdienststellen, eine Polizeiwache, verschiedene Lehreinrichtungen usw.

Am Ende der DDR-Zeit war das kulturgeschichtlich hochbedeutsame Bauwerk zur Ruine verkommen. Es hatte seit 1953 der Karl-Marx-Universität als Interimsquartier gedient. Instandsetzungen und Sanierungen waren jedoch unterblieben, 1976 musste die Bauaufsicht das Gebäude sperren, da es schwerste Bauschäden aufwies.

Mit der Sanierung, Restaurierung und Modernisierung der Alten Nikolaischule in den Jahren 1991-1994 hat die Kulturstiftung Leipzig ein unübersehbares stadtgestalterisches Signal gesetzt, denn es begann die kontinuierliche Entwicklung und Aufwertung des Nikolaikirchhofes zu einem urbanen innerstädtischen Platz.

Am 10. Oktober 1990 wurden durch Beschluss der Stadtverordnetenversammlung mittels Erbbaurecht die Liegenschaft und das Baudenkmal an die Kulturstiftung Leipzig übertragen. Diese stellte sich die Aufgabe, das Gebäude denkmalgerecht zu sanieren und es einer kulturellen Nutzung zuzuführen.

Das Sanierungsziel bestand darin, die Originalsubstanz weitgehend zu bewahren und erhaltene Details der Ausstattung zu restaurieren. Die Kulturstiftung wollte damit ein Zeichen für den notwendig behutsamen Umgang mit historischen Architekturen setzen und mit der Umgestaltung, dem Weiterbauen am Denkmal, einen Modellfall für modernen Denkmalschutz und Denkmalpflege schaffen. Grundlage hierfür war systematische Bauforschung am Objekt, zu der aufwändige bauarchäologische Befunduntersuchungen und ein weitreichendes Quellenstudium gehörten. Das denkmalpflegerische Konzept wurde von Sabine Hocquél-Schneider erarbeitet, die Gesamtplanung lag in den Händen der Architektenpartnerschaft Storch und Ehlers aus Hannover und dem Leipziger Architekten Rüdiger Sudau.

Dank der großzügigen Spende der Stadt Frankfurt am Main in Höhe von 8,9 Mio. DM und Denkmalfördermitteln des Freistaates Sachsen konnte eines der wertvollsten Architekturdenkmale Leipzigs mit einem Gesamtaufwand von 13,9 Mio. DM wieder zum Leben erweckt werden.

Im Erdgeschoss konnte das in den Quellen als Großes Auditorium ausgewiesene Klassenzimmer von 1597 (heute Gastraum) wiederhergestellt werden. Von einmaligem Wert sind die Fragmente der lateinischen Inschriften an den Wänden, die bei der Restaurierung wiederentdeckt wurden. Sie sind mit schwarzen Buchstaben von ca. 30 cm Höhe in klassischer Antiqua aufgemalt. Eine von ihnen lautet:

INITIUM SAPIENTIAE TIMOR DOMINI: Ecc. Cap. 1 (Aus Sprüche des Salomo. 1. Kapitel. Vers 7: Am Anfang der Erkenntnis steht die Ehrfurcht vor dem Herrn)

Auch die Bogen-Pfeilergliederungen der Wände sowie die Konsolsteine der Fensterbögen aus rotem Rochlitzer Porphyrtuff sind als typische Renaissanceelemente erhalten. Die Kreuzgratgewölbe im hinteren Bereich des Gasthauses stammen aus dem 18. Jahrhundert. Diese Räume wurden während der Warenmessen als Meßgewölbe genutzt. Besonders erwähnenswert ist im Eingangsbereich des Gebäudes auch die bemalte Holzbalken-Brettdecke aus dem Jahre 1597.

Im 2. Obergeschoss verdient die schlichte spätklassizistische Aula aus dem Jahr 1827 kunst- und auch musikgeschichtliche Aufmerksamkeit. Es ist dies der einzige authentische Ort für das Wirken Richard Wagners in Leipzig, er war 1828-1830 Schüler an der Nikolaischule, deshalb heute die "Richard-Wagner-Aula".

Die ehemalige Schulaula mit 100 Plätzen wird nunmehr für unterschiedliche Veranstaltungen wie Diskussionsforen, Lesungen, Theaterprojekte, Konzerte oder Feierlichkeiten genutzt. Das Foyer auf dieser Etage beherbergt eine kleine Ausstellung zur Hausgeschichte. Als besonders gelungen darf man wohl die Gestaltung des Lichthofes, den die Architekten dem historischen Baukörper anfügten, bezeichnen. Sie schufen damit einen eindrucksvollen Erschließungsraum von großer Klarheit, Weite und Transparenz für das ursprünglich sehr beengte Schulgebäude. In ihrer industriellen Ästhetik steht diese Architektur für eine Gestaltungstendenz der frühen 90er Jahre. Der glasüberdachte Lichthof schafft mit seiner Gestaltung ein bewusst inszeniertes Raumerlebnis.

Im 1. Obergeschoss zeigt das Antikenmuseum der Universität Leipzig seine Sammlung.

Die Alte Nikolaischule wurde 1995 Preisträger des 1. Architekturpreises der Architektenkammer Sachsen in der Kategorie „Umnutzung und Ergänzung historischer Bauten". Außerdem erhielt die Alte Nikolaischule anlässlich der Vergabe des Deutschen Architekturpreises 1997 eine Anerkennung.